Welchen Beitrag können Service- und Assistenzkräfte zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung leisten? Am 21. Juni 2021 veranstaltete der Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates (NGBR) in Kooperation mit Caro Ass e.V. in Berlin ein Symposium zum Thema und verabschiedete ein Positionspapier. Die Unterzeichner nennen es „Versuch einer Klärung in einer kontroversen Debatte“.

[js] Veranstalter und Unterzeichner stellten sich zunächst  folgende zentrale Fragen: Wie gelingt es, Menschen gut zu betreuen und zu versorgen in Zeiten enormer gesellschaftlicher und demographischer Veränderungen? Wie stellen wir Lebensqualität sicher, erhalten Mobilität und soziale Teilhabe? Wie steigern und sichern wir insgesamt die Qualität in der sozialen, gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung? „Bei der Beantwortung dieser Fragen wird künftig den durch Ausbildung qualifizierten Service- und Assistenzkräften im Gesundheits- und Sozialwesen eine wichtige Rolle zukommen“, so die Unterzeichner. „Wir sprechen von einem neuen Beruf und einer Win-win-Situation für alle Beteiligten: für Menschen, die Service und Assistenz benötigen, für Menschen, die in diesem neuen Beruf eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, für die Träger und Anbieter gesundheitlicher und pflegerischer Versorgungsleistungen, für Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen, für unsere Gesellschaft.“

Der Ist-Zustand

„Viele Jugendliche haben aus unterschiedlichen Gründen wenig Chancen, einen Ausbildungs- und krisensicheren Arbeitsplatz zu bekommen. Gering qualifizierte Erwachsene finden oft keine Festanstellung jenseits von Minijobs. Wir können es uns nicht leisten, diesen Personen keine Chance zu geben. Service- und Assistenzberufe bieten sinnstiftende, zukunftsfähige und auskömmliche Arbeitsplätze in einem Gesundheitswesen, das trotz Digitalisierung personalgebunden bleiben wird“, schreibt der Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates (NGBR).

Eine sichere Versorgungsumgebung schaffen

„Service- und Assistenzkräfte schaffen durch ihre ergänzenden Leistungen und durch ihre Nähe zu den Menschen eine sichere Versorgungsumgebung. Sie unterstützen kranke, alte, behinderte, einsame, generell hilfesuchende Menschen. Sie übernehmen Aufgaben, die nicht (mehr) alleine von Angehörigen und Ehrenamtlichen geleistet werden können. Diese Aufgaben sollen ebenso nicht länger von dafür nicht qualifizierten Personen oder von überqualifizierten Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen übernommen werden“, so die Unterzeichner. Sie betonen: „Service- und Assistenzkräfte ersetzen nicht professionelle Fachkräfte in Pflege, Therapie und im Sozialbereich.“

„Gelingender Personal- und Versorgungsmix“ lindert Fachkräftemangel

„Service- und Assistenzkräfte arbeiten in Krankenhäusern, Pflege- und Reha-Einrichtungen oder Einrichtungen der Behindertenhilfe. Um den Einsatz auch da zu verstärken, wo weiterer Bedarf besteht – im ambulanten Bereich, zu Hause, im Quartier oder einer Kommune – sind unterschiedliche Akteure in der Pflicht zu handeln. Service- und Assistenzkräfte leisten einen Beitrag zum gelingenden Personal- und Versorgungsmix. Sie lindern indirekt den insbesondere durch die demographische Entwicklung entstandenen Personalnotstand und Fachkräftemangel in allen Bereichen der Versorgung. Die Finanzierung von Service- und Assistenzkräften ist heute schon teilweise möglich und künftig sicherzustellen“, stellen die Unterzeichner fest.

Sie fordern: „Ein gemeinsamer Definitionsrahmen für Ausbildung und berufliche Tätigkeit sowie rechtliche Regulierungen des neuen Berufs sind unabdingbar. Hier sind die Regelungsgeber im Bund und in den Ländern gefragt. Es gilt, ein klares Aufgabenprofil und adäquate Rahmenbedingungen bei der Berufsausübung (Bezahlung, Bildungsmaßnahmen, Qualitätssicherung u. ä.) festzulegen. Ebenso ist ein verbindliches, zielgruppengerechtes Curriculum notwendig, das u.a. schulische und praktische Lernsituationen und -orte, assistiertes Lernen und sozialpädagogische Begleitung vorsieht. Die Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit der Ausbildung, z.B. an Gesundheits- und Pflegefachberufe, müssen selbstverständlich sein.“

„Ein gutes Leben ermöglichen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“

Abschließend stellen die Unterzeichner fest: „Service- und Assistenzkräfte sorgen dafür, Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und zu integrieren, sie in der täglichen Versorgung zu unterstützen, Einsamkeit vorzubeugen, Mobilität zu ermöglichen – kurzum, möglichst vielen Menschen trotz Einschränkungen ein gutes Leben zu sichern. Das Wirken der Service- und Assistenzkräfte ist generationenübergreifend und integrativ. Sie stärken durch ihre Tätigkeit den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Wer steckt dahinter?

Im Januar 2014 gründeten rund „40 im Gesundheitswesen erfahrene Personen“ den „Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates“. Dieser Verein arbeitet seitdem dafür, einen Nationalen Gesundheitsberuferat (NGBR) für Deutschland ins Leben zu rufen und auf eine tragfähige Basis zu stellen. Ein NGBR ist laut Verein notwendig, weil es bis heute in Deutschland keine Instanz gibt, die die gesamte Entwicklung der Gesundheitsberufe im Blick hat. Caro Ass e.V. ist ein Verein zur Förderung der Assistenzberufe im Sozial- und Gesundheitswesen. Zweck des Vereins ist laut Satzung die Förderung der Jugendhilfe und der Berufsbildung. Dies wird „maßgeblich dadurch verwirklicht, bildungs- und sozial benachteiligte Jugendliche als Servicehelfer auszubilden.“

 

Quelle: Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates. 2021. Service und Assistenz: Deutschland braucht einen neuen Beruf!
Positionspapier. https://pt.rpv.media/3fx; Zugriff am 29.6.2021

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