Laut einer Umfrage zur elektronischen Patientenakte (ePA) wissen neun von zehn Patienten nicht oder nur oberflächlich, wie die ePA funktioniert. Kurz vor Einführung überwiegen Unwissen und Fehlannahmen. Die Versicherten wünschen sich mehr Informationen.

[jr] Kurz vor der offiziellen Einführung der elektronischen Patientenakte haben vier von zehn Versicherten  und dementsprechend 37 Prozent in Deutschland noch nie etwas von der E-Patientenakte gehört. Nahezu die Hälfte (47,4 Prozent) weiß nicht, wie sie funktioniert. Weitere 43,3 Prozent  sagen von sich, dass sie nur oberflächlich Bescheid wissen.

Dies sind die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Umfrage „Datapuls 2021“ des Praxis-WLAN- und Kommunikationsdienstleisters Socialwave , der in Zusammenarbeit mit einem Hamburger Marktforschungsinstitut 1.005 Menschen über 18 Jahre zur Digitalisierung des Gesundheitswesens befragt hat. „Überrascht hat uns, dass der öffentliche Diskurs über Vorteile und Bedenken der ePA offenbar nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung verfolgt wird. Einer der größten Meilensteine in der Digitalisierung des Gesundheitswesens muss folglich nicht nur eine technische Hürde bewältigen, sondern vor allem eine kommunikative“, erklärt Felix Schönfelder, Geschäftsführer der Socialwave GmbH. Für die Aufklärungsarbeit nehmen der Umfrage zufolge Patienten vor allem den Hausarzt und die Versicherung in die Verantwortung.

Startdatum oft unklar

Die für alle Krankenversicherten ab dem 1. Januar 2021 verfügbare elektronische Patientenakte soll die Papierakten in deutschen Arztpraxen ersetzen. Doch unter den 73 Mio. Versicherten herrscht laut der Umfrage Unklarheit darüber, wann sie tatsächlich eingeführt wird. 33,9 Prozent der Versicherten gehen davon aus, dass der Dienst im 1. Halbjahr 2021 startet. Ein Viertel (24,8 Prozent) vermutet, dass die ePA im 2. Halbjahr 2021 zur Verfügung steht. Knapp ein Drittel (30,3 Prozent) tippt auf einen Marktstart im Jahr 2022 und weitere 11,1 Prozent erwarten die Einführung ab 2023.

Viele glauben die ePA sei verpflichtend

Die ePA gilt mit der Vernetzung von 200.000 Leistungserbringern und bis zu 73 Millionen Versicherten als das bisher größte IT-Projekt im deutschen Gesundheitswesen. Sie soll Vorteile für alle Beteiligten bringen. Versicherte erhalten die Möglichkeit, ihre medizinischen Daten zentral in der ePA zu speichern. Dadurch soll die Behandlung präziser aber auch der Arztwechsel erleichtert werden. Denn: Alle relevanten Daten liegen digital ab und sind somit für jeden Arzt einsehbar.

Doch nur jeder zehnte Versicherte (9,4 Prozent) in Deutschland hat kurz vor der Einführung verstanden, wie die ePA funktioniert und verbindet damit den tatsächlichen Mehrwert. Die mangelnde Aufklärung geht sogar so weit, dass gut ein Viertel (26,6 Prozent) aller Patienten glaubt, dass die ePA für Versicherte verpflichtend sei.

Versicherte sehen Hausärzte und Versicherungen in der Pflicht

Auf die Frage, wer nach Meinung der Patienten die Informationslücken schließen sollte, erhalten Hausärzte und Versicherungen ein klares Mandat. Knapp acht von zehn Deutschen (79,5 Prozent) fordern eine Aufklärung durch den Hausarzt. Mehr als die Hälfte (56,0 Prozent) findet, es wäre Aufgabe der Versicherungen. An dritter Stelle nehmen Patienten Gesundheitsbehörden und -ämter in die Pflicht (30,4 Prozent), gefolgt von Medien (25,4 Prozent) und Apotheken (16,4 Prozent).

Quelle: Social Wave

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