Stellen Sie sich vor, in Ihrer Praxis entwickelt sich ein Konflikt – sicher haben Sie bereits Bilder und Erinnerungen vor Augen. Manche Konfliktsituationen sind gut und glimpflich verlaufen, über andere ärgern Sie sich heute noch. In diesem Artikel stellt Ihnen die Autorin Eskalationsstufen vor, anhand derer Sie in der Praxis Konflikte einordnen und adäquat darauf reagieren können.

Was ist ein Konflikt? Der renommierte Konfliktforscher Friedrich Glasl erklärt: „Im Kern dreht es sich bei jedem Konflikt um das Gleiche: um unbefriedigte Bedürfnisse“ (1). Ein Konflikt entsteht in der Regel dann, wenn zwei oder mehr Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinandertreffen, die entweder nicht miteinander vereinbar sind oder nicht kommuniziert werden. Meist wird um Positionen gestritten anstatt um Bedürfnisse.

Ein Beispiel. Zwei Schwestern streiten sich um eine Orange. Schließlich kommt die Mutter in die Küche und teilt die Orange in zwei Hälften. Beide Schwestern sind jedoch unzufrieden! Warum? Hätte die Mutter ihre Töchter nach ihren Bedürfnissen gefragt, hätte sie vielleicht folgende Antworten bekommen:Tochter 1: „Ich brauche die Schale, weil ich Kuchen backen will.“