Nachdem die Industrie ein Upgrade 4.0 erhielt, ist nun auch die Arbeit 4.0 an der Reihe und schnell ziehen alle Sektoren hinterher, die mit hineinspielen. Die Digitalisierung verspricht auch dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) viel neues Potenzial, die Mitarbeiter im Unternehmen digital bei der Gesunderhaltung zu unterstützen. 

Der Bedarf ist da und während in allen anderen Bereichen die digitale Revolution stattfindet, hinken die digitalen Angebote im BGM hinterher. Eine Studie fand heraus, dass sich von 350 Führungskräften aus rund 60 Unternehmen 72 Prozent bisher nicht näher mit dem Thema digitales BGM auseinandersetzten. 80 Prozent sind jedoch der Meinung, dass das digitale BGM die Zukunft ist. Die digitale Arbeitswelt bringt viele neue gesundheitliche Herausforderungen mit sich und fordert Gegenmaßnahmen, die weiter reichen, als Obstkörbe und ergonomische Arbeitsplätze im Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Homeoffice und Mitarbeiter mit sehr flexiblen Arbeitszeiten sind genau diejenigen, die ein Unternehmen mit Gesundheitsapps, Wearables oder Webinaren erreichen kann. Besonders die bessere Messbarkeit und der überregionale Einsatz solcher digitalen Medien machen das Ganze attraktiv für ein hochwertiges BGM. 

„Ein kleines mittelständisches Unternehmen kann für nur zehn, 20 oder 30 Euro pro Mitarbeiter einen solchen Zugang erhalten. Gelingt es dadurch, dass ein einziger Angestellter einige Wochen nicht ausfällt, bedeutet das mehrere Tausend Euro Ersparnis und rentiert sich ab dem ersten Mitarbeiter.“ (Prof. Dr. David Matusiewicz)

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist schon lange kein Trend mehr. Für diesen Dauerzustand sind viele Maßnahmen bereits entwickelt, die den Mitarbeiter ansprechen und zum Nutzen animieren. Nun müssen die Unternehmen die Angebote auch nutzen! 

Auf der digitalen Überholspur entwickelt sich der Mensch zum Wesen, das die Software eines Geräts besser beherrscht, als seinen eigenen Körper. Wir werden zum Denkwesen und manch einer versteht surreale Prozesse besser, als etwas wortwörtlich mit seinem Körper zu „begreifen“. In dieser abstrakten digitalen Welt, in der Touchscreen-Berührungen und Emotionen per Emoji genügen, verkümmern unsere Soft Skills und vor allem das, was Mutter Natur dem Menschen gegeben hat: Die Fähigkeit, durch Greifen zu begreifen und durch Bewegung, etwas zu bewegen.

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari stellt in seinem Buch „Homo Deus“ das Szenario einer neuen Gesellschaft dar, die er vor der Verkümmerung von Emotion, Geist und Seele warnen möchte. Harari stellt aber auch eine positive Version dar: „Das Best-Case-Szenario bestünde darin, dass neue Technologien alle Menschen von der Last harter Arbeit und von Krankheiten befreien und es jedem erlauben, sein volles Potenzial zu erforschen und zu entwickeln. […] Künstliche Intelligenz eliminiert eine Vielzahl von Jobs, aber die sich daraus ergebenden Profite werden genutzt, um alle Menschen mit grundlegenden, frei verfügbaren Diensten zu versorgen und es allen zu ermöglichen, ihren Träumen zu folgen – sei es in der Kunst, im Sport, in der Religion oder im Engagement fürs Gemeinwesen. […] Biometrische Sensoren werden nicht von der Polizei eingesetzt, um uns besser zu überwachen, sondern dafür, um uns selbst besser verstehen zu lernen.“ 

Für diesen Beitrag wurden Auszüge aus dem Buch „Der digitale Ball – Der Weg zu einer neuen Bewegungskultur“ verwendet. Die verwendeten Quellen finden Sie in der Literaturliste der Buchpublikation.